KPÖ-Gemeinderat Gregor Sanders kritisiert die 2022 erfolgte Übergabe der Jugendlichen von der defizitären Einrichtung "Netz" an das SOS-Kinderdorf als Systemversagen. Er befürchtet, dass mit den aktuellen Gewaltvorwürfen gegen das SOS-Kinderdorf Jugendliche erneut traumatische Erfahrungen machen mussten. 
"Die 2022 als Rettungsaktion gepriesene Übernahme der Jugendlichen aus der kriselnden Einrichtung 'Netz' durch das SOS-Kinderdorf entpuppt sich als fatale Fortsetzung eines systemischen Versagens," erklärt Gregor Sanders, ehemaliger Betriebsrat bei "Netz" und heute KPÖ-Gemeinderat in Innsbruck.
"Die Sonderprüfung des Landesrechnungshofs zum Fall 'Netz' hat massive Kontroll- und Steuerungsdefizite des Landes Tirol offengelegt", so Sanders: "Doch die vermeintliche Rettung der betroffenen Jugendlichen ist heute als weitere Katastrophe mit Ansage zu befürchten."
Bereits die Vorgeschichte sei von Ignoranz geprägt gewesen, kritisiert Sanders. Der Landesrechnungshof hatte dem Land Tirol jahrelange mangelnde Aufsicht attestiert und Fehlentwicklungen wie fehlende Vertragstreue, fachliche Mängel und die Ausnutzung rechtlicher Grauzonen angeprangert. Anstatt nach der Schließung von "Netz" im April 2022 eine sichere Alternative zu schaffen, seien die Jugendlichen an einen anderen großen Träger, das SOS-Kinderdorf, übergeben worden.
Aktuelle Enthüllungen über systematische Gewalt in SOS-Kinderdorf-Einrichtungen lassen nun Schlimmstes befürchten. Sanders verweist auf Berichte über körperliche Übergriffe, Demütigungen und Missbrauch. "Es muss jetzt ermittelt werden, ob Jugendliche, die bei Netz bereits prekäre Betreuungserfahrungen gemacht haben, erneut einem nicht kontrollierten System übergeben wurden und dort wieder mit Gewalt und Trauma konfrontiert wurden", fordert er.
Sanders stellt drängende Fragen, die geklärt werden müssen: "Wurden Jugendliche, die dem Unternehmen 'Netz' aus berechtigten Gründen entzogen wurden, beim SOS-Kinderdorf erneut denselben prekären Verhältnissen ausgesetzt? Welche damaligen Mitarbeiter von 'Netz' wurden in SOS-Kinderdorf übernommen? Und welche Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe des Landes haben ihre Aufsichtspflichten bei 'Netz' vernachlässigt und nun bei SOS-Kinderdorf vermutlich erneut nicht richtig gehandelt?"
Der KPÖ-Gemeinderat fordert Konsequenzen. "Die Verantwortlichen im Land müssen sich endlich stellen", verlangt er. Das Ziel müsse eine grundlegende Reform der Kinder- und Jugendhilfe in Tirol sein, um ein derartiges Doppelversagen des Systems in Zukunft zu verhindern.